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Bräuning Contemporary | HAMBURG

Die Arbeit wartet. Es hört nie auf.
Rechner hochfahren, Einfahren, den Schacht hinab. Die Grubenlampe weist den Weg durchs Dunkel, der Bildschirm leuchtet auf. Stollen durchtreiben den Fels, URL für URL füllt sich der Cache. Das Nutzmineral liegt tief unten im Tertiär, im Internet geht nichts verloren, Schicht um Schicht wird freigelegt, der Abraum wächst, Berge von Erdreich, Kilos, Megas, Teras wachsen aus der Tiefe in die Höhe. Platz schaffen, Papierkorb leeren, Dateien ordnen, Furchen, Krater, Raster, Linien, von oben sieht das faszinierend aus, flächig und tief, so unwirklich, so schrecklich, so schön, wie Kunst. Schatzkarte, Abfallprodukt. Tiefer bohren, Tunnel graben, Zwerge suchen, Schicht um Schicht wächst das Gebilde, kostbare Adern mäandern wie Tentakel durchs Gestein, der Oktopus hat drei Herzen, und sein verästeltes Hirn erstreckt sich bis in die Spitzen seiner Extremitäten. Bildfragmente reiben sich, erzeugen tektonische Verschiebungen, die Datei wird schwer, behäbig, das Bohrgestänge rotiert, dreht frei, Synapsen bilden sich bis ins hohe Alter, Photoshop stürzt ab, Häuser, Tiere, ganze Dörfer fallen ins Loch. Die Meerestiefen sind noch kaum erforscht, der Krater wird mit Wasser gefüllt, Lebensraum für neue Pflanzen und Vögel, woher die nur immer kommen, Menschen können darin schwimmen und ertrinken und sich an den letzten Sommer erinnern, die wichtigsten Ereignisse des Jahres, man weiß ja gar nicht mehr, was man noch glauben soll, Print ist tot. Das Leben geht weiter, die Baggerschaufel fördert etwas Unerwartetes zutage, vermutlich wertvoll, die Wertschöpfung hat Zwangspause, Vorsicht, Weitergraben verboten, ach komm’, schmeiß’ weg, wieso, das geht doch noch, die Müllabfuhr, neue Haufen, neue Halden, neue Bilder, es liest ja keiner mehr.
Die Arbeit wartet. Es hört nie auf.
Text: Annika von Taube

Bräuning Contemporary
Leder-Schüler-Haus
Heidenkampsweg 32 | 2. OG
20097 Hamburg